Stadthalle

Parkstraße 2
17033 Neubrandenburg

Der Rohbau für die Stadthalle entstand in nur sieben Monaten. Im Frühjahr 1968 wird mit dem Bau der Halle begonnen, im Mai mit dem Betonieren der ersten Hyparschale begonnen und bereits am 1. Oktober 1968 die erste Lehr- und Leistungsschau des damaligen Bezirkes im Rohbau veranstaltet. Zum 20. Jahrestag der Gründung der DDR wird die Stadthalle zum 7. Oktober 1969 offiziell übergeben. Nach dem Entwurf des Architekten Karl Kraus entstand ein exemplarischer Mütherbau mit vier Hyparschalendächern.

Ulrich Müther, Stadthalle Neubrandenburg und Hyparschalendächer

In Zusammenarbeit mit dem Bezirksarchitekten Karl Kraus entwickelte Ulrich Müther eine Halle, die in ihrer äußeren Form von vier Hyparschalen dominiert wird.
Diese vier baugleichen Schalen basieren auf einem Grundmodul, das Müther bereits für die Gaststätte Ostseeperle in Glowe auf Rügen entwickelt hatte. Angeordnet sind sie über einem quadratischen Grundriss von 46x46m und durch Oberlichtbänder miteinander verbunden, die sich in einem kronenartigen Aufsatz treffen. Die eigens für die Halle konstruierte Beleuchtungsanlage in der Spitze der aufstrebenden Hyparschalen über der Hallenmitte hat die Zeiten nicht überlebt und wurde Anfang der 1990iger Jahre entfernt.
In den vier eingeschossigen Eckanbauten waren Garderoben, Toiletten, Verwaltungsräume, Ausgabeküchen und Verkaufsstände untergebracht. Deren Dächer sind ebenfalls flache Hyparschalendächer.
Bei der Neubrandenburger Stadthalle wird der Einfluss des spanischen Ingenieurs Felix Candelas in Hinblick auf dessen Kirche San José Obrero in Monterrey auf Müther besonders deutlich.
Ulrich Müther (1934-2007) spezialisierte sich wie niemand sonst in der DDR auf die Konstruktion von Betonschalen und wurde so zu einer prägenden Gestalt der ostdeutschen Nachkriegsmoderne. Er realisierte in Kooperation mit verschiedenen Architektinnen und Architekten über 70 Schalenbauten in Mecklenburg-Vorpommern, der DDR und im Ausland. In Neubrandenburg findet sich neben der Stadthalle im Kulturpark mit der katholischen Kirche St. Josef – St. Lukas ein weiterer Mütherbau, der 1976 bis 1980 errichtet wurde.