Haus der
Kultur und
Bildung

Marktplatz 1
17033 Neubrandenburg

Von 1963 bis 1965 entsteht in Neubrandenburg des Haus der Kultur und Bildung am zentralen Platz der Stadt – dem Marktplatz. Gebaut wird nach den Plänen von Iris Dullin-Grund die 1959 26jährig den Wettbewerb für die Bebauung gewinnt. Das Haus der Kultur und Bildung mit seinem 56 m hohen Hochhaus ist eine städtebauliche Dominante und zugleich ein Symbol für die Nachkriegsmoderne in Neubrandenburg.

Ein Kulturhaus für Neubrandenburg – Iris Dullin-Grunds Haus der Kultur und Bildung

Am 1. Mai 1963 wurde der Grundstein für das Haus der Kultur und Bildung gelegt. Vorangegangen waren zwei Wettbewerbe für den Bau eines Kulturhauses am Marktplatz. Den Wettbewerb 1958 gewann das Kollektiv um den Chefarchitekten Max Fiedler der Abteilung Stadt- und Dorfplanung des Bezirkes. Der Entwurf, der noch wesentliche Züge der Nationalen Tradition aufwies, wurde jedoch nicht umgesetzt. Stattdessen wurde ein neuer Wettbewerb ausgelobt, der diesmal durch Hermann Henselmann dem Chefarchitekten von Berlin betreut wurde. Wesentlich war die Errichtung einer städtebaulichen Dominante.

Den Wettbewerb gewann die damals 26jährige Mitarbeiterin Henselmanns Iris Dullin-Grund, die zusammen mit anderen Absolventen der Klasse von Selman Selmanagic der Kunsthochschule Weißensees im Büro Henselmanns tätig war. Sie selbst sah ihren Entwurf ganz in der Bauhaustradition und als Gegenentwurf zur Nationalen Tradition.

Für 13 Millionen Mark entstand ein in Stahlbetonskelettbauweise errichteter Gebäudekomplex von vier Flügeln, die um einen Innenhof angelegt waren. Das 56 Meter hohe schlanke Hochhaus trägt im Neubrandenburger Volksmund den Namen „Kulturfinger“. Es ist eine 16-geschossige Stahlskelettkonstruktion, die vom Sächsischen Brücken und Stahlhochbau hergestellt wurde und verkleidet ist mit Betonplatten, die mit weißgrauem Marmorbruch belegt sind. Die Felder unter den Fenstern waren mit flaschengrünem Gussglas des Glaswerks in Pirna-Copitz versehen. Mit der Sanierung von 2014 wurde die originale Farbgebung wieder hergestellt.

Das Haus der Kultur Bildung offenbart sich als ein Spiel verschiedener Kontraste zwischen den gelbbraunen Klinkerfassaden, den mit anthrazitfarbenen Schieferplatten belegten Gebäudeteilen und den offenen mit naturfarbenem Aluminium eingefassten großen Glasfassaden. Mit Konzert- und Theatersaal, Ausstellungsfoyer, Bibliothek, Cafés, Restaurants und Räumlichkeiten für die mehr als 50 verschiedenen Handarbeits- und Kunstzirkel wurde das Gebäude ein Ort vielfältiger Angebote und Betätigungen für die Neubrandenburger Bürgerinnen und Bürger und seinem Namen gerecht. Mit einem dreitägigen Fest wurde das Haus der Kultur und Bildung am 17. Juli 1965 eröffnet.

Mit der Sanierung und dem Umbau 2014 hat das Gebäude im Inneren und zum Teil auch am Äußeren gravierende Änderungen erfahren. Das einzige vertikale „Kultur(hoch)haus“ der DDR ist heute seiner einstigen Idee beraubt und der Konzert- und Theatersaal ein Bekleidungsgeschäft.